Der Sammler

Sie stand genau vor ihm. Es waren nur fünf Schritte, die er hätte machen müssen um sie anfassen zu können. Doch er tat es nicht. Zu ideal war sie. Wie ein Ölgemälde von einem Künstler, der bereits vor einer sehr langen Zeit verstorben war. Überwältigend, fesselnd, absolut… unantastbar. Eine Perfektion, so wie er es sich immer gewünscht hat. Lange, blonde Haare. Helle und makellose Haut. Volle Lippen, die durch den roten, leicht verschmierten Lippenstift noch voluminöser erschienen, doch es war in keinster Weise unpassend. Sie wirkten eher ergänzend zu ihren überaus großen, Reh-braunen Augen. Der schmale Hals, den er so gerne berühren würde. Die vollkommenen Brüste. Die schlanke Taille. Die langen Beine.  Nur fünf Schritte.

Es war ein dunkler Raum. Der einzige Lichtstrahl war auf sie gerichtet. Er konnte jedes Muttermal sehen. Jedes so winziges Detail an ihrem unverhülltem Leib. Doch das, was jedem sofort ins Auge gestochen hätte, übersah er. Absichtlich.

Die Nähte an ihrem erstarrtem Gesicht und ihrem leblosen Körper. Und auch wenn das Zimmer dunkel gewesen ist, hätte der Geruch der Verwesung verraten, dass der Raum voller entstellten Leichen war.