Lovestory

– „Was ist das?“ Fragte sie ihn.

– „Was?“ Erwiderte er desinteressiert und lief weiter an ihr vorbei, Richtung Küche.

– „Dein Hemd und deine Hände. Ist das Blut?“ Sie folgte ihm.

– „Ach das…“

– „Was ist passiert?“ Sie wurde lauter. „Wessen Blut ist das?!“

Er machte den Kühlschrank auf und holte Milch raus. Sie wusste was er vor hatte. Cornflakes. Jeden verdammten Abend aß er diese verdammte Cornflakes. Sie konnte es nie leiden. Und seit einer Weile konnte sie ihn nicht mehr leiden. Jedes einzelne Wort, was von ihm kam, jedes Geräusch was er von sich gab, trieb sie in den Wahnsinn. Seine Nähe war unerträglich. Die Beziehung war am Ende und sie selbst ebenfalls. Und dann traf sie den einen, der ihr Hoffnung auf eine glückliche Zukunft gab und der ihr versprach, ein Teil dieser Zukunft zu sein.

Bei dem Gedanken an ihn bewegten sich ihre Mundwinkeln nach oben. Sie hat schon fast lächeln müssen, als das Geräusch des Kauens sie aus ihren Träumen zurück in die Realität holte. Und da war er wieder.

Sie schaute ihn an, wie er am Tisch saß, seine Cornflakes aß, in das Fenster glotzte und ihr immer noch keine Antwort gab. Sie verachtete ihn. Sogar das Blut, oder was auch immer es an seinem Hemd war, interessierte sie nicht mehr.

– „Scheiß drauf.“ Sagte sie ruhig und ging aus der Küche raus. Sie wollte so schnell wie möglich verschwinden.

Sie stiegt in den Wagen und bevor sie los fuhr, warf sie einen kurzen Blick in das Küchenfenster. Das Licht ging aus.

Sie konnte es kaum erwarten ihn zu sehen. Ihn anzufassen, ihn zu küssen und von ihm angefasst zu werden, von ihm geküsst zu werden.

Mit dem Schlüssel den er ihr gab, machte sie die Tür auf. Sie war zu spät, aber sie wusste, dass er auf sie wartet. Das tat er immer und heute war keine Ausnahme. Er hat auf sie gewartet, nur es kam jemand anderer.

Erschüttert stand sie vor dem Bett voller Blut. Soviel Blut, dass man die Leiche, bei dem schwachen Kerzenlicht, kaum sehen konnte.

Sie konnte den Anblick nicht ertragen. Sie drehte sich um und sah entsetzt die mit dem Blut beschriftete Wand an.

Drei Worte und eine vertraute Handschrift.

HAPPY VALENTINE’S DAY

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H – Hass

„Ich weiß was ihr macht, bevor ihr einschlaft. Nein, die Rede ist nicht von banalem, gefühlslosem, „lass es uns schnell hinter uns bringen“ Sex. Ich rede auch nicht vom Buch lesen (als würdet ihr, Smartphones-besessenen Idioten, noch wissen wie ein Buch aussieht). Es geht um etwas privates und unaussprechliches. Es geht um eure Gedanken und noch mehr geht es um eure Gefühle, die ihr dabei verspürt. Die Gefühle die euch nicht einschlafen lassen.

Gewissensbisse, weil ihr heute Abend über rot gefahren seid. Hass, weil ihr zu Unrecht behandelt worden seid. Erregung, weil euch morgen etwas wichtiges bevorsteht.Wenn ihr von den Guten seid…

…doch ihr seid es nicht. Ihr seid böse, rachsüchtig und hasserfüllt. Ihr habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr über rot gefahren seid, auch dann nicht wenn ihr ein Hund überfahren habt… erst recht nicht wenn es eine Absicht gewesen ist. Ihr verspürt Erregung, weil ihr Morgen, wie jeden Tag, an einem Kinderspielplatz vorbei laufen werdet, so langsam, dass die Bewegung kaum zu erkennen ist, doch stehen zu bleiben ist zu auffällig … und ihr seid männlich, über vierzig und allein stehend (am besten lauft ihr weiter über die Strasse, und wenn IHR glück habt, überfährt euch jemand der nachts nicht einschlafen kann, weil er über rot gefahren ist. Und wenn die anderen Glück haben, überfährt euch dieser gefühlsloser Wichser, der gerne solche Tiere, wie ihr es seid, überfährt und dann steht ihr nicht mehr auf. AMEN).

Hass, weil wenn ihr euch selbst anseht, begreift ihr, was für ein elendes, krankes und perverses Stück Scheiße ihr seid. Ich weiß es, weil ich einer von euch bin… aber nicht mehr lange.“

Kopfschuss. Die Kugel fliegt raus und nimmt eine Menge von den unaussprechlichen Gedanken mit. Das Badezimmer voller Blut, nur der Spiegel bleibt sauber.

 

 

worüber man schweigt

Es gab keine Anzeichen für seinen Vorhaben. Es fing alles sehr trivial und harmlos an. Was er jedoch geplant hat, war das komplette Gegenteil davon. Er begann von unten. Langsam und sinnlich, wie es jeder anderer tun würde. Doch dann, ganz unerwartet, fing er an dir das zu geben, wovon du schon sehr lange geträumt hast, was du dir schon immer gewünscht hast. Und es tat gut. Er tat dir gut.

Keine Gefühle, keine Gnade, kein Entkommen.

Nur Lust und Leidenschaft. Seine Überlegenheit und deine Machtlosigkeit. Das Raubtier und sein Opfer. Erschreckend und befriedigend zugleich. Aggressiv. Laut. Animalisch.

Und dann ging er. Ließ dich allein. Nur du und das unersättliche Verlangen nach mehr.

Der Sammler

Sie stand genau vor ihm. Es waren nur fünf Schritte, die er hätte machen müssen um sie anfassen zu können. Doch er tat es nicht. Zu ideal war sie. Wie ein Ölgemälde von einem Künstler, der bereits vor einer sehr langen Zeit verstorben war. Überwältigend, fesselnd, absolut… unantastbar. Eine Perfektion, so wie er es sich immer gewünscht hat. Lange, blonde Haare. Helle und makellose Haut. Volle Lippen, die durch den roten, leicht verschmierten Lippenstift noch voluminöser erschienen, doch es war in keinster Weise unpassend. Sie wirkten eher ergänzend zu ihren überaus großen, Reh-braunen Augen. Der schmale Hals, den er so gerne berühren würde. Die vollkommenen Brüste. Die schlanke Taille. Die langen Beine.  Nur fünf Schritte.

Es war ein dunkler Raum. Der einzige Lichtstrahl war auf sie gerichtet. Er konnte jedes Muttermal sehen. Jedes so winziges Detail an ihrem unverhülltem Leib. Doch das, was jedem sofort ins Auge gestochen hätte, übersah er. Absichtlich.

Die Nähte an ihrem erstarrtem Gesicht und ihrem leblosen Körper. Und auch wenn das Zimmer dunkel gewesen ist, hätte der Geruch der Verwesung verraten, dass der Raum voller entstellten Leichen war.

 

G – Geburtstag

 

Ein Kind. Ein Mädchen. Ein Geburtstag.

Kein Lachen. Stille. Nicht mal ein Flüstern.

Ein Mädchen, das nicht feiern wollte,

Acht Jahre alt, spielt gerne Flöte.

 

Der Tag fing schon hysterisch an:

„Ich will die gar nicht sehen, Maam!“

Die Mutter ignorant wie immer:

„Zieh dich jetzt an! Kein Wort mehr. Stille!“

 

Die Gäste rufen, der Clown mit:

„Das Beste für’s Geburtstagskind!“

 

Doch dann die Torte:

„Oh mein Gott, was hab ich da in meinem Mund?“

Sie kauen, schlucken und verdauen

Die kleinen Stücke feinster Sahne.

 

Das Mädchen freut sich,

Denn sie weiß, was es für alle später heißt.

 

Dessert zu Ende, alle Satt

Gesicht im Teller, allesamt.

 

Ein Kind. Ein Mädchen, spielt gerne Flöte.

Ein kleiner Mörder und zehn Tote.

 

Der Freiflug

freiflug

Zehn Sekunden bis zum Bodenkontakt…1, 2, 3…

Endlich Freiheit und Unabhängigkeit. Einsamkeit, Unsicherheit und Angst gehören der Vergangenheit an. Keine Eifersucht, keine Lügen. Befreit vom menschlichen Leiden und Schmerz. 4, 5, 6…

Keine Verpflichtungen. Keine dummen Feiertage. Keine Familie und Verwandte. Keine falschen Freunde. Keine Gefühle. Stopp! Keine Liebe?… 7, 8, 9…

Keine Rendezvous? Keine Romantik? Keine Küsse? Keine gefühlsvolle Berührungen? Keine ergreifende Momente der Erregung? Keine Liebe … 10… kein Weg zurück, nur ein kalt werdender Leib, auf dem grauen Asphalt, vor einem Hochhausgebäude.

B – Begierde

DkphBo1iOqs

Er sagt nur drei kurze Worte. Mit samtiger und vertrauter Stimme flüstert er sie dir ins Ohr. Er ist so nah, dass du sein Herzschlag hören kannst. Schnell und rhythmisch. Doch seine Stimme klingt nicht aufgeregt. Er spricht die Worte langsam und gefühlsvoll aus.

Jede an deiner Stelle wäre bereits dahin geschmolzen. Jede andere würde Alles für diese Worte geben. Jeden Traum opfern. Jede Freundschaft aufgeben, um nur bei ihm zu sein. Jede, nur nicht du.

Diese Worte klingen für dich wie das Geheul einer Mutter, die ihr Kind gerade verloren hat. Wie ein Gebrüll eines Tiers, das gerade geschlachtet wird. Wie das Geschrei einer jungen Frau, die gerade missbraucht wird. Und du bist machtlos. Du kannst nichts tun, denn du sitzt auf einem Stuhl und deine Hände sind gebunden, dein Mund zugeklebt und nur die Tränen, die gerade deine Wangen herunterfließen und in den Winkel deines zitternden Mundes ihren bedeutungslosen weg beenden, sind frei und erlöst. Er steht neben dir und du begreifst langsam, dass der Herzschlag aus deinem Brustkorb kommt, denn solche Kreaturen wie er besitzen kein Herz. Und als wäre er dazu fähig, sagt er diese drei kurze Worte: „Ich. Liebe. Dich“.